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Unsere Reise durch das Quirimbas-Archipel begann auf der Insel Ibo, wo wir nach einem sehr anstrengenden Transfer aus Pemba ankamen. Als wir im kleinen Hafen endlich aus dem lokalen Boot – der sogenannten chappa boat – stiegen, empfingen uns nur eine Handvoll Kinder, die Tropennacht und völlige Dunkelheit. Zum Glück hatten wir Stirnlampen dabei. Fast zu schade, sie einzuschalten.

Über uns spannte sich ein Himmel, wie man ihn anderswo kaum zu sehen bekommt. Die Milchstraße war klar erkennbar, und mit ein wenig Aufmerksamkeit ließen sich sogar ferne Galaxien als feine Nebelschleier ausmachen. Das laute Geplapper der Kinder um uns herum, ihre endlosen Fragen – und unsere Blicke, die am Sternenzelt hafteten. Ein ungewöhnlicher Auftakt, wie überhaupt die ganze Insel.

Geschichte der Insel

Ibo gehörte historisch zu den wichtigsten Orten im Quirimbas-Archipel. Als die Portugiesen im 16. Jahrhundert das heutige Mosambik kolonisierten, nahmen sie sich auf blutige Weise auch diesen strategisch wichtigen Hafen. Von here aus führten Handelsrouten in die arabische Welt.

Es wurde mit Gewürzen, Silber, aber auch mit Sklaven gehandelt. Ibo war lange Zeit ein wichtiges Handelszentrum der gesamten Region.

Das änderte sich erst mit dem Aufkommen modernerer Schiffe. Mit ihrem größeren Tiefgang konnten sie die seichten Gewässer rund um die Insel nicht mehr sicher anlaufen. Der Handel verlagerte sich allmählich in die nahe Stadt Pemba, und Ibo geriet zunehmend in Vergessenheit.

Bis heute sind viele Gebäude der portugiesischen Kolonialarchitektur erhalten. Im historischen Zentrum stehen alte Häuser und Gassen, die mancherorts eher an eine kleine europäische Stadt erinnern als an eine afrikanische Insel. Geht man jedoch nur ein paar Straßen weiter, ändert sich das Bild: Sandpisten, einfache Häuser und ein gemächlicher Alltag, der daran erinnert, dass wir uns doch in Afrika befinden.

Alltag auf der Insel

Das Leben auf Ibo ist bescheiden und sicher nicht einfach. Die meisten Bewohner sind direkt oder indirekt vom Ozean abhängig. Haupterwerb ist die Fischerei, dazu kleinere Handwerke und etwas Handel. Die Fischer fahren mit traditionellen hölzernen Dhaus hinaus, deren geringer Tiefgang sie auch durch die seichten Gewässer rund um die Inseln bringt. Der Fang landet entweder auf dem lokalen Markt oder wird aufs Festland nach Pemba gebracht.

Auch traditionelle Handwerke spielen eine wichtige Rolle. Wir sahen Kunsthandwerker, die Silberschmuck fertigten, Holz bearbeiteten oder neue Fischerboote bauten. Besonders spannend ist der Bau der Dhaus: Diese Boote sind perfekt an die flachen Gewässer des Archipels angepasst und werden hier seit Generationen genutzt.

In den letzten Jahren ist der Tourismus langsam zur lokalen Wirtschaft hinzugekommen. Einige kleine Resorts und Unterkünfte beschäftigen Einheimische als Guides, Bootsführer, Köche oder Servicekräfte. Trotzdem macht der Tourismus weiterhin nur einen kleinen Teil der Wirtschaft aus.

Das Inselleben hängt stark von den natürlichen Bedingungen ab. Wasser wird vor allem aus Brunnen gefördert, die Vorräte sind begrenzt. Viele Einheimische sagen, es könne eines Tages passieren, dass das Wasser auf der Insel einfach ausgeht.

Ein ähnliches Szenario gab es bereits auf der größeren Nachbarinsel Matemo. Dort führte in der Vergangenheit intensive Grundwasserentnahme dazu, dass salziges Meerwasser in die Vorräte eindrang – die Brunnen wurden unbrauchbar.

Mit diesem Wissen blickten wir auch auf manche der luxuriöseren Resorts mit ihren Pools anders. An einem Ort, an dem Wasser knapp ist, wirkt das befremdlich.

Den Alltag bestimmt zudem der Rhythmus von Ebbe und Flut. Bei Flut stehen weite Teile der Strände unter Wasser – ideale Bedingungen zum Fischen, und für Kinder die Gelegenheit, im Ozean zu baden.

Touristen werden hier noch eher als seltene Besonderheit wahrgenommen denn als fester Teil des Alltags. Nur wenige Reisende kommen auf die Insel, und jede Ankunft ist ein kleines Ereignis. Gerade deshalb wirken Begegnungen natürlich und ungezwungen – und man wird schnell Teil des täglichen Lebens.

Wenn der Tag ausklingt und die Sonne im Indischen Ozean versinkt, verlangsamt sich das Leben noch mehr. Strom ist nicht überall selbstverständlich, viele Gassen liegen rasch im Dunkeln. Trotzdem fühlten wir uns auch nach Einbruch der Nacht sicher.

Unterkunft, Essen und Basisinfrastruktur

Obwohl die Insel abgelegen ist, gibt es eine grundlegende touristische Infrastruktur. Auf dem Hauptplatz steht der einzige Geldautomat der Insel. In einigen Unterkünften und größeren Restaurants konnten wir problemlos in US‑Dollar bezahlen, kleinere Läden und die Einheimischen bevorzugen jedoch die Landeswährung.

Die Auswahl an Unterkünften ist klein, bietet aber je nach gewünschtem Komfort passende Optionen. Es gibt authentischere Eco‑Lodges mit einfacher Ausstattung ebenso wie etwas gehobenere Resorts. Zudem gibt es einen kleinen Campingplatz für Backpacker.

Wir entschieden uns für die authentischere Variante namens Baobibo – und es fehlte uns an nichts. Ein sauberes, geräumiges Zimmer, ein Bett mit Moskitonetz (sehr wichtig), Strom, Frühstück und Abendessen mit einem Hauch mosambikanischer Küche und rundum hilfsbereite Menschen, die unseren Aufenthalt angenehm machten.

Im Grunde gibt es zwei Arten von Restaurants. Die einen gehören zu den Resorts und bieten klassische Touristenmenüs. Die andere, weitaus authentischere Möglichkeit: In den entlegeneren Teilen der Siedlung laden einen die Menschen oft direkt zu sich nach Hause ein.

Man sitzt dann buchstäblich in einer Strohhütte auf Plastikstühlen und isst, was gerade gekocht wurde – meist Fisch, den sie vermutlich selbst gefangen haben, dazu Reis und ein einfacher Salat. Mit etwas Glück hat der Gastgeber auch eine Kühlbox mit Bier oder Cola.

Diesen Einblick können wir nur empfehlen. Er ist deutlich günstiger als das Essen in den Resorts und zugleich einer der authentischsten Momente, die man auf der Insel erleben kann.

Generell ist das Essen schlicht, aber überraschend günstig. Für ein Abendessen zahlt man etwa drei bis fünf Euro pro Person, oft inklusive Bier. In den Resorts liegen die Preise natürlich um ein Vielfaches höher.

Aktivitäten auf der Insel

Große Teile der Insel sind von dichten Mangroven gesäumt, daher ist die Auswahl an Stränden auf Ibo selbst begrenzt. Die vorhandenen haben jedoch einen großen Vorteil: Man ist häufig ganz allein – vor allem abseits der Hauptsiedlung.

Zum Erkunden eignet sich das Fahrrad bestens. Man kann es für ein paar Dollar pro Tag mieten. Die Insel ist klein – etwa 6 km² – und die Sandwege sind gut zu bewältigen. Die Hauptsiedlung und die meisten interessanten Orte lassen sich zu Fuß oder mit dem Rad in kurzer Zeit erreichen.

Neben dem Rad kann man auch ein Kajak leihen. Es ist ideal für kurze Wege übers Wasser und bringt einen an Orte, die zu Fuß unerreichbar sind. Dabei sollte man jedoch an die Sicherheit denken: Stärke und Richtung der Strömungen ändern sich im Tagesverlauf. Bleiben Sie lieber näher an der Küste und schätzen Sie auf offenem Meer die eigenen Kräfte realistisch ein.

Von Ibo aus lohnen sich auch Bootsausflüge zu den umliegenden Inseln, etwa nach Matemo. Sehr reizvoll ist zudem die nahe Sanddüne Baixo de São Gonçalo. 

Sie ist eine typische Sandbank – bei Flut vollständig unter Wasser, bei Ebbe erscheint mitten im Ozean ein langer Streifen weißen Sands. Während unseres Besuchs waren wir fast allein dort; die vollkommene Stille durchbrachen nur ein paar lokale Fischer.

Beliebt in der Umgebung sind zudem Schnorcheltouren mit Delfinen oder ein Rundgang zu den historischen Bauten auf der Insel, darunter die alte Kolonialfestung Fort São João Baptista.

Auch Taucher schätzen die Gewässer rund um Ibo. Das Quirimbas-Archipel bietet zahlreiche Spots – von Korallenriffen bis zu weniger erforschten Plätzen mit reichem Leben des Indischen Ozeans. Während unseres Aufenthalts war der einzige Divemaster auf der Insel an Malaria erkrankt – deshalb fiel das Tauchen für uns leider aus.

Falls Sie aus all dem nichts auswählen möchten, gibt es noch eine etwas unerwartete „Aktivität“ – die lokalen Hunde. Wir hatten das Glück, einem solchen Inselhund zu begegnen. Aus für uns unerfindlichen Gründen schloss er uns schnell ins Herz und trottete überall dorthin, wo auch wir hingingen. Nicht selten wartete er morgens bereits vor dem Resort auf uns. Bald hatte er den Namen „Doggie“ und wurde zu einem liebenswerten Teil unserer Tage.

Kinder und Schule auf der Insel

Es wäre unfair, über Ibo zu schreiben, ohne die Kinder zu erwähnen. Sie prägen die schmalen Gassen mit ihrer typischen, etwas chaotischen, aber sehr lebendigen Atmosphäre.

Mit den Kindern kommt man hier sehr schnell in Kontakt – oft bevor man selbst merkt, dass man erst kurz auf der Insel ist. Genauer gesagt: Sie kommen auf uns zu.

Die meisten lassen sich unglaublich gern fotografieren; gelegentlich gibt es aber auch jemanden, der die Kamera meidet. Wir hatten erwartet, dass Kinder – und auch andere – uns um kleine Aufmerksamkeiten bitten würden, und hatten deshalb vorsorglich ein paar Spielzeuge eingepackt, die wir zu Hause nicht mehr brauchten.

Am Ende kam es anders: Die Kinder waren ehrlich überrascht und voller Freude, als wir ihnen die Spielsachen schenkten. Damit gewannen wir nicht nur die Kleinen, oft auch ihre Eltern. Bald waren wir auf der ganzen Insel als „die Touristen mit den Spielsachen“ bekannt.

Eines Tages kam ein Junge zu mir und bat mich mit Händen und Füßen, ihm den Fotoapparat kurz zu leihen. Ich zögerte nicht – umso mehr staunte ich, wie schnell er die Bedienung verstand. Nach wenigen Minuten fotografierte er seinen Bruder und schoss ein gelungenes Porträt.

Auf unseren Streifzügen kamen wir auch an der lokalen Schule vorbei. Dass das Schulsystem anders ist als bei uns, überraschte uns nicht. Umso mehr staunten wir über die Schuluniformen. Kinder in Uniformen an einem so abgelegenen Ort zu sehen, wirkt fast surreal.

Das Schulsystem in Mosambik hat einige Besonderheiten, die Europäer überraschen können. Klassen sind oft sehr groß, und manche Schulen arbeiten im Schichtbetrieb – eine Gruppe vormittags, die andere nachmittags. Unterrichtssprache ist Portugiesisch, obwohl zu Hause die meisten Kinder lokale Sprachen sprechen. Für viele ist die Schule daher auch der erste Ort, an dem sie Portugiesisch wirklich lernen.

Gefreut hat uns, dass die Kinder hier auch Englisch lernen – oft besser, als wir erwartet hätten. So erfuhren wir viel über ihre Zukunftspläne. Ein Junge sparte schon in jungen Jahren für ein späteres Studium im nahegelegenen Pemba. Ein anderer wollte wie sein Vater Fischer werden, bräuchte dafür aber ein neues Boot, weil das seines Vaters schon alt ist.

Je mehr Zeit wir auf der Insel verbrachten und je häufiger wir mit den Menschen sprachen, desto liebenswerter wurde uns Ibo.

Beste Reisezeit

Im Norden Mosambiks herrscht tropisches Klima; grundsätzlich unterscheidet man zwischen Regenzeit und einer trockeneren Periode. Die Regenzeit dauert meist von Dezember bis April. In dieser Zeit können die Niederschläge heftig ausfallen, Straßen auf dem Festland verwandeln sich in Schlamm, und Transfers zwischen den Inseln oder vom Festland werden deutlich schwieriger.

Von Mai bis November gilt als beste Reisezeit für das Quirimbas-Archipel: Das Wetter ist stabiler, es regnet weniger, und der Ozean ist meist ruhiger. In diesen Monaten kommt auch der Großteil der Besucher.

Wir waren im April auf Ibo – also ganz am Ende der Regenzeit. Es gab zwar ein paar heftige Schauer, an einem Tag regnete es fast durchgehend, doch die meisten Tage waren ruhig und sonnig, ohne starken Wind.

Gleichzeitig bekamen wir eine Ahnung davon, wie herausfordernd das Leben auf einer so abgelegenen Insel während des Höhepunkts der Regenzeit sein kann: Wege sind aufgeweicht, Fahrten komplizierter – und das Inselleben verlangsamt sich noch mehr als sonst.

Andererseits hat ein Besuch außerhalb der Hauptsaison seine Vorteile: Die Insel ist noch ruhiger, Touristen sind rar, und viele Orte hat man praktisch für sich allein.

Rückreise

Nach den Erlebnissen der anstrengenden Dschungelfahrt nach Ibo entschieden wir uns bei der Abreise für die einfachere Variante. Von der Insel gibt es eine regelmäßige Linie zum Flughafen in Pemba. Sie ist zwar teurer, dafür schnell, komfortabel und sicher.

Der Flughafen auf Ibo ist sehr schlicht – eher eine verfallene Hütte und ein Stück ebene Grasfläche als ein klassischer Airport. Dafür ist das Erlebnis umso besonderer: Der Pilot in Uniform holt Sie ab, lädt Ihr Gepäck persönlich in die kleine Maschine – und startet kurz darauf mit Ihnen.

Belohnt wird man mit einem grandiosen Blick aus dem Fenster auf die Inseln des Quirimbas-Archipels, verstreut im türkisfarbenen Wasser des Indischen Ozeans.

Fazit

Ibo ist keine Destination für jedermann. Es ist kein Ort für Luxusresorts oder ein pulsierendes Nachtleben. Im Gegenteil: Das Leben verläuft langsam und schlicht.

Vielleicht hat sich die Insel gerade deshalb ihre Atmosphäre bewahrt – als Ort, der ein wenig abseits der modernen Welt geblieben ist. Und wir hoffen, dass das noch lange so bleibt.