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Den Krater Hoyada Ulo entdecken wir auf der Karte noch vor der Abfahrt von unserer Unterkunft im Dorf Coquesa. Eigentlich wollten wir den Abstecher in den Fahrtag von Coquesa nach Llica einbauen, doch ein kniffliger Abschnitt auf der Strecke durchkreuzt unseren Plan – wir schaffen es schlicht nicht.

Schon am nächsten Tag nehmen wir den nächsten Anlauf. Morgens gönnen wir uns Streetfood-Frühstück in den Gassen von Llica, stocken den Proviant für den ganzen Tag auf und brechen auf ins Abenteuer.

Auf der Karte wirkt dieser Krater wirklich monumental. Das allein wäre auf dem Altiplano nichts Besonderes – Vulkane und Krater gibt es viele. Doch dieser ist anders. Er liegt nicht auf dem Gipfel eines markanten Vulkans und entspricht keiner typischen Kegelform. Stattdessen befindet er sich mitten in einer relativ ebenen Landschaft. Genau das reizt uns.

Von oben betrachtet wirkt er fast perfekt kreisrund. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handle sich nicht um eine vulkanische Formation, sondern eher um einen Meteoriteneinschlag. 

Anfahrt zum Krater

Die Strecke ab Llica ist typisch Altiplano – staubig, teils steinig, aber befahrbar. Und natürlich fehlen auch die sogenannten Wellblechpisten nicht, die das ganze Auto durchschütteln, egal mit welchem Tempo man fährt.

Wir haben an den Krater keine konkreten Erwartungen. Offenbar ist er kein bekanntes Ausflugsziel. Im Internet finden wir nur wenige Informationen und kaum Fotos. Umso mehr überrascht uns unterwegs ein Wegweiser mit der Aufschrift Hoyada Ulo.

Wir biegen von der „Hauptstraße“ ab und steuern auf den Krater zu. Die Piste steigt langsam an, fährt sich paradoxerweise aber besser als die bisherige. Nach ein paar Minuten stehen wir am Kraterrand. Zu unserer Überraschung gibt es hier einen kleinen Parkplatz, etwas abseits einen Rohbau. Vermutlich hat man einst versucht, den Ort touristisch aufzuwerten.

Am Kraterrand

Wir steigen aus, um die Gegend ein wenig zu erkunden. Der Krater ist gewaltig. Seine Dimensionen überraschen uns, obwohl wir das anhand der Karte geahnt hatten. Die Ränder heben sich sanft über die umliegende Ebene und bilden einen breiten, runden Saum. Einmal herumzugehen, würde wohl einen ganzen Tag dauern.

Auffällig ist, dass das Umland nicht dramatisch wirkt. Keine markanten Lavaströme, keine typischen Vulkankegel in direkter Nähe. Hoyada Ulo liegt einfach in der Ebene – fast so, als gehöre er nicht hierher.

Der Kraterboden ist im Grunde eine eigene Salzfläche. Das Gelände ist eben, an den Rändern gibt es etwas Vegetation, in der Mitte liegt eine dünne Salzkruste. Um die Größe des Gebildes wirklich zu erfassen, braucht es die Vogelperspektive. Also lassen Braňo und ich unsere Drohnen steigen und nehmen aus allen – auch scheinbar unmöglichen – Winkeln auf.

Damit auch Ibo auf seine Kosten kommt, machen wir mit ihm einen kurzen Spaziergang zum nahen Rohbau. Es gibt provisorische Wege, das Terrain ist einfach, aber staubig. Das nutzt Ibo prompt und wälzt sich ausgiebig im Staub. Diesmal nehmen wir es ihm nicht übel.

Aussichtspunkt über dem Krater

Während des Spaziergangs sehen wir auf der Gegenseite eine Piste, die vom Parkplatz zu einem etwas höher gelegenen Aussichtspunkt führt. Braňo und ich beschließen, mit dem Auto hinaufzufahren. Iva traut der Sache nicht und geht lieber zu Fuß – mit Ibo. Kurz trennen sich unsere Wege, das Ziel ist dasselbe.

Die Auffahrt zum Aussichtspunkt ist anspruchsvoller – steiler und stellenweise von Wasser ausgewaschen. Tiefe Rinnen, die Spurwahl will gut überlegt sein. Nach ein paar Minuten sind wir oben, Iva erreicht uns wenige Minuten später.

Der Aussichtspunkt eröffnet eine andere Perspektive auf den Krater. Überraschend: Selbst hier gibt es Bänke und einen Tisch aus Stein. Aus diesem Blickwinkel bietet der Ort mehr, als wir erwartet hatten.

Als wir das Gefühl haben, Hoyada Ulo genug aufgesogen zu haben, steigen wir alle ins Auto und rollen zurück zum Parkplatz. Iva zeigen wir noch, was unser Wagen in diesem Gelände kann. Wir schalten die Untersetzung ein und tasten uns im ersten Gang langsam die zerfurchte Piste hinab. Iva erschrickt stellenweise, erkennt aber schließlich, dass das Auto dieses Terrain ohne große Probleme meistert.

Bis ganz nach unten?

Kaum sind wir wieder am Parkplatz, kommt Braňo mit einer genialen Idee: „Fahren wir bis zum Kraterboden!“ Kurz ist es still. In mir ringen verschiedene Gedanken miteinander. Es gibt noch viele andere Orte in der Umgebung, die einen Besuch lohnen. Aber hinunterzufahren muss auch kein schlechter Plan sein. Man sieht Braňo an, wie sehr ihn das freuen würde – also steigen wir wieder ein, und ich nehme die Piste weiter Richtung Kraterboden. Wir haben sie aus der Drohne gesehen, und sie ist auch in der Karte verzeichnet.

Mir ist allerdings bewusst, dass wir damit eine Regel brechen, die ich noch vom Skifahren im extremen Gelände kenne: Fahr nie hinunter, was du vorher nicht hinaufgefahren bist.

Meine Befürchtungen bewahrheiten sich schnell. Gleich nach der ersten Kurve wird die Piste zur Panzerpiste: riesige Felsblöcke, tiefe Rinnen, steile Kanten. Bergab kommt der Wagen noch halbwegs zurecht – aber wie sollen wir das wieder hinauf schaffen?

Nach etwa 100 Metern halte ich an und bitte Braňo, das Gelände ein Stück weiter unten zu Fuß zu prüfen. Nach ein paar Minuten kommt er mit schlechten Nachrichten zurück. Mit jedem Meter wird es schlimmer. Auch er findet, wir sollten besser wenden und zurückfahren.

Nur ist unser Hilux kein VW Polo. Im steilen, zerfurchten und schmalen Hang haben wir keine Chance, das lange Gefährt zu wenden. Es bleibt nur eins: den gesamten heiklen Abschnitt rückwärts wieder hinauf.

Das erweist sich als beinahe unmögliche Mission. Nach hinten habe ich aus dem Auto nur eingeschränkte Sicht. Lehne ich mich aus dem Fenster, sehe ich lediglich die linke Fahrzeugseite. Ich setze zurück, ohne genau zu wissen, wohin ich steuere. Die Anspannung im Team steigt sofort, Ibo spürt sie und mischt sich ein – als wüsste er, dass es ernst ist. Und er hat recht.

Was, wenn wir den Wagen nicht zurückbekommen? Hier ist niemand, das nächste Städtchen Llica ist Dutzende Kilometer entfernt. Das alles zu Fuß und mit Hund ist undenkbar. Etwas Sicherheit gibt uns, dass wir Starlink dabeihaben – wir könnten zumindest Hilfe rufen. Fraglich bleibt jedoch, woher und wie schnell sie käme. Das wollen wir nicht herausfinden. Wir müssen das Auto um jeden Preis zurück auf den Parkplatz bringen.

Am Ende lösen wir die Situation im Team: Iva und Braňo stehen draußen und lotsen mich durch die offenen vorderen Fenster. Ich kombiniere ihre Anweisungen mit dem, was ich aus dem Fenster sehe. Schritt für Schritt, buchstäblich Stein für Stein, arbeiten wir uns zurück. Es dauert eine Ewigkeit, aber am Ende gelingt es.

Die Euphorie, als wir wieder auf dem Parkplatz stehen, ist riesig. Aus einer kleinen Neugier hätte sehr schnell ein großes Problem werden können. Diesmal hatten wir Glück – und eine starke Teamleistung.

Fazit

Hoyada Ulo hat uns mit seiner Monumentalität und seinem besonderen Charakter mitten in der Ebene überrascht. Danach hat er uns daran erinnert, dass man sich in Bolivien nicht nur auf Karten oder Drohnenbilder verlassen sollte.

Die Lehre aus dem Abstecher in den Krater ist simpel: Hinunter geht es immer leichter als hinauf. Und wenn man das Gelände nicht zuerst in Gegenrichtung ausprobiert, riskiert man mehr, als einem in dem Moment bewusst ist.

Der Kraterboden blieb diesmal unberührt – vielleicht ist das gut so. Nicht jeder Ort muss um jeden Preis erobert werden. Manchmal reicht es, die eigene Grenze zu kennen – und rechtzeitig umzudrehen. Sollten Sie einmal hier sein und den Kraterboden besuchen wollen, tun Sie das besser zu Fuß.

Fakten zu Hoyada Ulo

  • Offizieller Name: Cráter de Ulo (Hoyada Ulo)
  • Lage: Departamento Potosí, Provinz Daniel Campos, Bolivien
  • Entfernung von Llica: etwa 9 km westlich
  • Höhe des Kraterrands: etwa 4.000–4.020 m ü. M.
  • Durchmesser des Kraters: etwa 2,5–2,6 km
  • Charakter des Kraterbodens: Salzpfanne (kleiner Salar) mit einer Fläche von etwa 0,4 km²
  • Art der Formation: wahrscheinlich Erosions- oder vulkanische Senke (kein bestätigter Einschlagskrater)