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Nach einer Wanderung in der Belaer Tatra vor ein paar Tagen stand nun eine etwas luftigere Tour im Herzen der Hohen Tatra an. Unser Ziel: der Kresaný roh, der über der Veľká studená dolina aufragt.

Wir starten in Starý Smokovec. Aus Bequemlichkeit kaufen wir ein Ticket für die Standseilbahn, die uns in etwa zehn Minuten nach Hrebienok bringt. Natürlich ließe sich das auch zu Fuß machen, hier wäre es aber Zeit- und Kraftverschwendung. Von Hrebienok folgen wir zunächst der roten Markierung, ab der Weggabelung oberhalb der Rainerova chata dann der blauen, in Richtung Veľká studená dolina. An einer Stelle namens Brána, an der der blau markierte Weg über eine kleine Brücke auf die linke Talseite führt und anschließend steil ansteigt, verlassen wir den markierten Weg und gehen weiter links des Bachs talaufwärts. Der Bach verschwindet später im Gelände, wir halten jedoch Kurs bis zur Rinne zwischen Rovienková veža und Kresaný roh. Der Weiterweg durchs Tal ist angenehm, das Tempo flott, die Stimmung bestens. Auch das Wetter spielt mit.

Die letzten Meter hinauf ins Joch sind naturgemäß recht steil, der Untergrund ist jedoch fest und der Fels trocken. Schon bald erreichen wir das Rovienkové sedlo. Von hier öffnen sich Blicke in das Rovienky-Tal. Der Grat fällt auf dieser Seite steil ab. Für eine Querung des Grats würde ich eher das Sedlo Malý Závrat empfehlen. Beim Blick auf den weiteren Anstieg am Grat ist klar: Die einfache Wanderung liegt hinter uns. Das Gelände verändert sich, und mit der Höhe nimmt auch die Ausgesetztheit der Tour zu.

Der Schlussanstieg führt über einen luftigen, exponierten Grat bis zum Gipfel. Stellenweise wird es etwas technischer, dennoch lässt sich stets eine sichere Variante finden.

Schließlich erreichen wir den Gipfel; die Belohnung sind schöne Blicke auf die Javorové štíty, im Hintergrund zeigen sich sogar die Ľadové štíty. Ich setze mich, schaue hinab in die Veľká studená dolina, die uns zu Füßen liegt, und es geht mir einfach gut. Für genau solche Momente lohnt sich der Weg hinauf. Der Gipfel ist nicht besonders geräumig, viele Partien sind deutlich ausgesetzt. Wir sind zu viert – und das passt hier genau. Nach einem längeren Innehalten packen wir zusammen und kehren auf demselben Weg zurück.

Der Abstieg verläuft relativ zügig. Ohne größere Komplikationen stehen wir wieder im Tal und wenig später auch wieder in Hrebienok. Eine weitere gelungene Tour in meinem Lieblingsgebirge liegt hinter mir – und die Zufriedenheit ist genau so, wie sie sich nach einem guten Tag in den Bergen anfühlen soll.