
Im Jahr 2024 haben wir auf unserem Roadtrip durch Skandinavien und das Baltikum fast das gesamte Nordøyane-Archipel mit dem Auto erkundet. Diese kaum bekannte Ecke Norwegens landete eher zufällig im Reiseplan – auf der Karte sprang mir eine Straße ins Auge, die durch das Archipel führt, und darüber war kaum etwas zu finden. Das klang einfach spannend, ein bisschen geheimnisvoll. Keine ikonischen Aussichtspunkte, keine großen Namen, keine Must-sees. Also los!
Straße 659
Von Ålesund fuhren wir nach Norden auf der Straße Nummer 659, die Teil des Projekts Nordøyvegen ist. Es ist eine relativ neue Verbindung, 2022 offiziell eröffnet, die mithilfe von Brücken, Dämmen und vor allem Unterseetunneln sechs Inseln miteinander verbindet, die bis vor Kurzem vollständig auf Fähren angewiesen waren.

Anders als ikonische norwegische Straßen wie Trollstigen oder die Atlantic Road wirkt der Nordøyvegen weder dramatisch noch spektakulär. Es gibt keine legendären Serpentinen und keine Aussichtspunkte, die die sozialen Medien fluten. Seine Stärke liegt in der Unaufdringlichkeit – er funktioniert leise, effizient und ohne Effekthascherei.
Zum Archipel gehören die Inseln Haramsøya, Flemsøya (Skuløya), Fjørtofta, Harøya und Finnøy. Hier leben nur ein paar Tausend Menschen, und der Tourismus ist bislang eher Nebensache als Lebensgrundlage. Umso auffälliger ist der Kontrast zwischen moderner Infrastruktur und stillen, fast leeren Dörfern, durch die die Straße führt.
Da auf unseren Reisen Zeit oft das knappste Gut ist, lassen wir die erste Insel Lepsøya diesmal aus und fahren ohne Stopp über eine Brücke und anschließend durch einen Tunnel direkt hinüber nach Haramsøya. Und genau hier zeigt sich der besondere Reiz von Nordøyane: Die moderne Straße bringt uns zwar schnell von A nach B, die Inseln selbst leben jedoch weiterhin in ihrem eigenen, langsamen Takt.
Eine Nacht auf Flemsøya
Auf unserem Weg verschlägt es uns aus mehreren Gründen immer wieder die Sprache. Am meisten verblüffen die Brücken und Tunnel, doch schon die ersten Stopps zeigen auch die Naturschönheit dieser Inseln. Die Natur ist ursprünglich, nordisch rau, sattgrün, das Meer türkis. Dazu eine Mischung aus relativ modernen Holzbauten und älteren Fischerhäusern, oft mit Gras auf dem Dach.
Nach ziellosem Umherstreifen und viel Aufsaugen der Atmosphäre wird es Zeit, einen Platz für die Nacht zu finden. Auf den Inseln gibt es nur wenige Hotels – die günstigeren waren hoffnungslos ausgebucht, und das eine teure war schlicht zu teuer. Gerettet haben uns Zelt und Auto.

Für die Nacht wählen wir den Strand Sandvika auf Flemsøya. Das Wetter spielt jedoch nicht mit – es regnet den Großteil des Abends, und so können wir diesen unglaublich schönen Strand nicht so genießen, wie wir es gern würden.
Wir stellen das Zelt nur ein paar Schritte vom Meer entfernt auf. Trotz Regen hat der Platz eine besondere Atmosphäre – Ausblicke, das Rauschen der Wellen, ein Bergbach, ein kleiner Teich mit klarem Wasser und absolute Ruhe. Als Bonus gibt es Bewuchs, der an Latschenkiefern erinnert und in Kombination mit der Meeresnähe einen unvergesslichen Kontrast schafft.
Als wäre das nicht kitschig genug, zeigt sich kurz vor Sonnenuntergang ein Regenbogen über der Insel. Das Licht färbt den Himmel golden, und der Bogen wirkt in dieser Kulisse eher wie eine Halluzination als wie Wirklichkeit. Das Einzige, was den Moment am Ende trübt, sind Schwärme kleiner Mücken, die überall hineinkriechen und leider auch ein bisschen stechen.
Harøyburet – kleiner Hügel, große Ausblicke
Am nächsten Morgen trocknen wir das durchnässte Zelt und fahren durch weitere Tunnel über Fjørtofta hinüber nach Harøya.
Hier legen wir eine kleine Pause ein und steigen auf den höchsten Punkt der Insel – den Harøyburet (156 m ü. M.). Eine kurze, einfache Tour mit überraschend weitem Blick. Man sieht das ganze Archipel, das Festland mit deutlich höheren Bergen – und hinüber nach Flemsøya samt dem Strand, an dem wir in der Nacht zuvor geschlafen haben.
Ende der Straße auf Finnøy

Die letzte Insel unserer Route ist Finnøy. Hier endet die Straße. Entweder fährt man auf demselben Weg zurück, oder man setzt mit der Fähre mehrmals täglich aufs Festland über.
Langes Warten auf die Fähre lohnt sich hier kaum. Finnøy bietet nicht viele Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben, daher empfehle ich, die genauen Abfahrtszeiten vorher zu prüfen. Wir überbrücken die Wartezeit mit einem schnellen Mittagessen, einem Spaziergang mit Iba und einem kurzen Nickerchen im Auto. In der Ferne zeichnet sich schon unsere Fähre ab, und wir rollen dem nächsten Abenteuer entgegen.
Fazit
Das Nordøyane-Archipel ist ein idealer Ort für stille Stunden in schöner Natur – nur etwa eine Autostunde von Ålesund entfernt. Meer, Wind, schöne Landschaft, Strände, Stille und das Gefühl, abseits der Hauptrouten zu sein. Ein Ort, der nichts fordert und einem doch genau das gibt, weshalb man aufgebrochen ist.
