
Stellen Sie sich eine fast drei Kilometer lange Wasserwand vor, die in Hunderten Strömen in eine tiefe Schlucht stürzt. Das Tosen der Wasserfälle ist schon aus großer Entfernung zu hören, in der Luft liegt feiner Sprühnebel. Genau so ist der erste Eindruck der Iguazú-Wasserfälle – eines der größten Wasserfallsysteme der Welt.
Die Iguazú-Wasserfälle zählen zu den bekanntesten Naturzielen Südamerikas. Sie liegen an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien und bilden zusammen eines der größten Wasserfallsysteme der Welt.
Auf unserer Reise durch Südamerika entschieden wir uns für die brasilianische Seite des Nationalparks Iguaçu. Obwohl der Großteil der Wasserfälle auf argentinischem Gebiet liegt, bietet die brasilianische Seite einige der besten Panoramablicke auf das gesamte System.
Wo liegen die Iguazú-Wasserfälle
Die Iguazú-Wasserfälle liegen am Fluss Iguazú an der Grenze zweier Staaten – Brasilien und Argentinien. Der brasilianische Teil befindet sich im Bundesstaat Paraná nahe der Stadt Foz do Iguaçu, zugleich Grenzstadt an der brasilianisch-paraguayischen Grenze. Daher reisen viele Besucher von Paraguay aus an.
Das gesamte System besteht aus rund 275 einzelnen Wasserfällen, die sich über fast 3 Kilometer erstrecken. Der größte und bekannteste Abschnitt ist die riesige Schlucht namens Garganta del Diablo – der Teufelsschlund.
Nationalpark Iguaçu in Brasilien
Die brasilianische Seite der Fälle gehört zum Nationalpark Iguaçu (Parque Nacional do Iguaçu), der 1939 gegründet wurde. Der Park ist zudem UNESCO-Welterbe.
Im Unterschied zur argentinischen Seite ist der brasilianische Teil des Parks kompakter. Die meisten Besucher folgen hier einer Hauptroute, die am Rand des Iguazú-Canyons verläuft.
Anreise aus Paraguay zu den Wasserfällen
Unser Besuch begann am Morgen in Ciudad del Este in Paraguay. Wir hatten einen Mietwagen von einer lokalen Autovermietung. Normalerweise ist es nicht erlaubt, mit einem in Paraguay gemieteten Auto ins Ausland zu fahren, doch der Abstecher zu den Iguazú-Wasserfällen ist in dieser Region eine gängige Ausnahme. Wichtig ist, die Autovermietung vorab zu informieren, damit sie die Versicherung für Fahrten in Brasilien anpassen kann.

Die größte Hürde auf der Strecke war für uns nicht die Grenzkontrolle selbst, sondern der Verkehr auf der Friendship Bridge. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs war das die einzige Möglichkeit, mit dem Auto von Paraguay nach Brasilien zu gelangen, und auf der Brücke bildeten sich oft lange Staus.
Inzwischen gibt es weiter südlich über den Río Paraná auch die neuere Puente de la Integración. Prüfen Sie vor der Fahrt am besten die aktuelle Verkehrslage und wählen Sie die Route, die zu diesem Zeitpunkt am schnellsten ist.
Nach der Grenze durchquerten wir das Zentrum von Foz do Iguaçu auf brasilianischer Seite recht zügig und folgten der BR-469 direkt in Richtung Nationalpark. Vom Stadtzentrum sind es etwa 20 Minuten Fahrt.
Ankunft im Nationalpark Iguaçu
Die Straße führt bis zum Parkplatz am Besucherzentrum Visitor Center – Parque Nacional do Iguaçu. Hier muss das Auto abgestellt werden. Wenn möglich, empfehlen wir einen Platz im Schatten – tagsüber kann es hier sehr heiß werden.
Gleich nach dem Parken überraschte uns die gute Organisation. Am Parkplatz wies uns eine Parkmitarbeiterin den Weg zum Besucherzentrum.
Drinnen kauften wir die Tickets am Selbstbedienungsterminal und zahlten mit Karte. Danach erklärten uns weitere Mitarbeitende das Prozedere: Weiter geht es mit dem Shuttlebus des Parks. Er verkehrt zwischen dem Besucherzentrum und mehreren Haltestellen an den Fällen. Alles war sehr gut organisiert – die Busse fuhren regelmäßig, und es war kein Problem, einen Sitzplatz zu finden.
Für etwas bessere Ausblicke während der Fahrt empfehlen wir, sich auf die rechte Seite des Busses zu setzen. Die Wasserfälle selbst sieht man aus dem Bus dennoch kaum, da die Strecke größtenteils durch dichten Regenwald führt.
Der Bus hält unterwegs an mehreren Stationen. Wir empfehlen, eine Station vor der Endhaltestelle auszusteigen – an der Estação Trilha das Cataratas – und zu den Fällen auf dem Fußweg entlang des Flusses weiterzugehen.
Aussichtsweg zu den Wasserfällen

Von der Haltestelle Estação Trilha das Cataratas führt ein befestigter Weg durch den lokalen subtropischen Regenwald direkt zu den Fällen. Der Pfad ist bequem und gut instand gehalten, sodass ihn auch weniger geübte Besucher problemlos bewältigen.
Unterwegs begegnet man oft den tierischen Bewohnern des Parks: am häufigsten verschiedenen Vogelarten, Schmetterlingen oder kleineren Säugetieren. Relativ regelmäßig zeigen sich zum Beispiel Südamerikanische Nasenbären (Coatis), die an die Präsenz von Touristen gewöhnt sind. In den Baumkronen lassen sich Tukane oder Papageien beobachten, und entlang des Wegs flattern viele farbige Schmetterlinge.
Der Weg verläuft entlang des Canyons des Flusses Iguazú und eröffnet nach und nach Blicke auf Dutzende Wasserfälle auf der argentinischen Seite.
Ein Vorteil der brasilianischen Seite ist der Panoramablick auf das gesamte System. Von vielen Punkten aus sieht man den weiten Bogen der Fälle, der von der argentinischen Seite nicht so gut zu überblicken ist.
Der Teufelsschlund von der brasilianischen Seite
Höhepunkt des Besuchs ist der Steg, der direkt zu den Fällen im Bereich des Teufelsschlunds führt. Hier stürzt das Wasser mit gewaltiger Kraft in eine tiefe Schlucht und erzeugt dichten Nebel, der schon von weitem sichtbar ist.

Bei hohem Wasserstand ist es fast unmöglich, völlig trocken zu bleiben. Der Sprühnebel erreicht oft auch die Aussichtsplattform am Ende des Stegs. Während unseres Besuchs bildete sich im feinen Wasserstaub ein kräftiger Regenbogen, der den Blick auf die stürzenden Wassermassen noch eindrucksvoller machte – einer der intensivsten Momente des ganzen Besuchs. Und das, obwohl wir außerhalb der Hauptregenzeit dort waren. Dennoch war die Kraft des Wassers unglaublich, und wir konnten uns nur ausmalen, wie es hier in Zeiten starker Niederschläge aussehen muss.
Drohnenverbot
Im gesamten Nationalpark fiel uns mehrfach der Hinweis auf das Verbot von Drohnen auf. Wir haben uns selbstverständlich daran gehalten – deshalb gibt es von hier leider keine Drohnenaufnahmen. Der Blick aus der Luft wäre sicher spektakulär.
Infrastruktur für Besucher am Ende des Wegs
Am Ende des Aussichtswegs gibt es mehrere Restaurants und kleine Stände, an denen man Essen und Getränke kaufen kann. Außerdem gibt es Souvenirläden.
Wenn Sie Souvenirs nicht direkt hier kaufen möchten, können Sie das immer noch im Besucherzentrum am Parkplatz tun. Dorthin bringt Sie vom Endpunkt des Wegs der erwähnte Shuttlebus zurück.
Brasilianische oder argentinische Seite?
Viele Reisende fragen sich, welche Seite der Iguazú-Wasserfälle sie besuchen sollten. Ideal ist es, beide zu sehen.
Die argentinische Seite bietet mehr Wege und die Möglichkeit, direkt über einige Wasserfälle zu gelangen. Die brasilianische Seite ist kürzer, liefert dafür den besseren Gesamtblick auf das gesamte System.
Wenn Sie nur Zeit für einen Besuch haben, hängt die Wahl davon ab, ob Sie eher Panoramablicke möchten oder den direkteren Kontakt mit den Wasserfällen.
Fazit
Die Iguazú-Wasserfälle gehören zu den Orten, die selbst erfahrene Reisende beeindrucken. Ausmaß, Wasserkraft und die tropische Umgebung ergeben eine Kombination, die sich nur schwer mit anderen Wasserfällen der Welt vergleichen lässt.
Die brasilianische Seite des Nationalparks ist zudem ein sehr guter Einstieg, um dieses außergewöhnliche Naturphänomen kennenzulernen. Dank der guten Organisation und des regelmäßigen Shuttlebetriebs lässt sich der Besuch entspannt an einem Nachmittag unterbringen – mit ausreichend Zeitpuffer für die Rückfahrt nach Paraguay. Eine klare Empfehlung für alle, die in dieser Ecke Südamerikas unterwegs sind.
