
Marokko ist ein Land der Medinas, der Wüste, des Atlasgebirges, der Atlantikküste, von Fischerorten, farbenfrohen Märkten und langen Distanzen zwischen sehr unterschiedlichen Regionen. Für viele Reisende ist es gut erreichbar; kulturell und administrativ ist es jedoch ein Ziel, bei dem sich eine Reise mit Hund nicht auf den letzten Drücker planen lässt.
Bei einer Reise mit Hund nach Marokko geht es um zwei Dinge: die Einreise nach Marokko und die Rückkehr nach Hause. Die Einreiseregeln legt die marokkanische Veterinärbehörde ONSSA fest. Die Rückkehr richtet sich nach den Regeln des Landes, in das der Hund nach dem Aufenthalt in Marokko zurückkehrt.
In diesem Artikel geht es um die übliche, nichtkommerzielle Reise mit einem Hund, der zusammen mit seiner Halterin oder seinem Halter oder einer beauftragten Person reist. Reist der Hund als Fracht, zum Verkauf, zum Halterwechsel oder ohne Begleitung im selben Verkehrsmittel, können andere Regeln gelten.
Inhaltsverzeichnis
Kurzüberblick
Für die Einreise mit Hund nach Marokko benötigen Sie vor allem:
- eine eindeutige Identifizierung des Hundes per Mikrochip,
- gültige Tollwutimpfung – der Hund muss zuerst gechippt und erst danach geimpft werden; bei der Erstimpfung müssen vor der Einreise mindestens 21 Tage vergehen,
- serologischen Test auf Tollwut-Antikörper – eine Blutuntersuchung, die den Antikörperspiegel nach der Impfung überprüft – wenn der Hund aus einem Land einreist, das nicht als tollwutfrei anerkannt ist,
- veterinärmedizinisches Gesundheitszeugnis für die Einreise nach Marokko,
- Dokumentenprüfung bei der Ankunft in Marokko,
- Beförderungsbedingungen des Beförderers, insbesondere bei Flug oder Fähre.
Bei der Rückkehr aus Marokko entscheiden die Regeln des Ziellandes. Klären Sie deshalb vor der Reise nicht nur die Einreise nach Marokko, sondern auch, was Ihr Hund für die Heimkehr benötigt.
Einreisebedingungen und Unterlagen
Marokko hat bei der Einreise von Hunden mehrere konkrete Anforderungen, die in der richtigen Reihenfolge und mit genügend Vorlauf zu erledigen sind. Ist für Ihre Route der serologische Test Pflicht, dauert der gesamte Prozess mindestens drei bis vier Monate – die Blutentnahme ist frühestens 30 Tage nach der Impfung möglich, und die Laboranalyse braucht weitere Zeit. Beginnen Sie nicht erst kurz vor der Abreise.
Für die Einreise mit Hund nach Marokko benötigen Sie:
- Mikrochip – ISO-Standard 11784 oder 11785, 15-stellig,
- gültige Tollwutimpfung,
- serologischen Test auf Tollwut-Antikörper, wenn er aus einem nicht als tollwutfrei anerkannten Land einreist,
- veterinärmedizinisches Gesundheitszeugnis,
- EU Pet Passport, wenn Sie aus der EU reisen.
Alle Unterlagen müssen auf den Namen des Hundehalters ausgestellt sein. Die ONSSA führt bei der Einreise eine Dokumenten-, Identitäts- und auch eine körperliche Kontrolle des Hundes durch. Erfüllt der Hund die Anforderungen nicht, kann er in das Herkunftsland zurückgeschickt oder zurückgehalten werden.
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Tollwutimpfung
Der Hund muss eine gültige Tollwutimpfung haben, und die Kennzeichnung per Mikrochip muss der Impfung vorausgehen. Ist die Impfung vor der Implantation des Mikrochips eingetragen, kann es bei der Einreise nach Marokko Probleme geben.
Bei der ersten Tollwutimpfung müssen vor der Einreise nach Marokko mindestens 21 Tage vergehen. Bei rechtzeitiger Wiederimpfung, wenn der Impfschutz nicht abgelaufen ist, gilt keine neue Wartefrist.
Die konkreten Anforderungen an die Gültigkeit und die akzeptierten Impfstoffe sollten Sie vor der Reise immer direkt bei der Veterinärbehörde im Abreiseland oder über die ONSSA prüfen, da die Bedingungen je nach Herkunftsland des Hundes variieren und sich ändern können.
Serologischer Test auf Tollwut-Antikörper
Der serologische Test ist für Hunde, die aus Ländern einreisen, die von der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) nicht als tollwutfrei anerkannt sind, verpflichtend. Die meisten Länder der Welt, einschließlich aller EU-Staaten, gelten nicht als tollwutfrei – für die meisten Reisenden ist der Test daher Pflicht.
Der Test muss mehr als 30 Tage nach der Tollwutimpfung durchgeführt werden, und das Ergebnis muss von der Veterinärbehörde des Herkunftslandes bestätigt werden. Die Probe muss in einem von der zuständigen Veterinärbehörde anerkannten Labor bearbeitet werden. Für die Rückkehr in die EU gilt eine strengere Anforderung – das Labor muss von der EU zugelassen sein (siehe Abschnitt Rückkehr in die EU).
Das ist einer der Gründe, warum die Vorbereitung auf eine Reise nach Marokko Monate und nicht Wochen dauert: zuerst der Mikrochip, dann die Impfung, dann 30 Tage warten, dann die Blutentnahme, danach die Laboranalyse. Verzögert sich ein Schritt, verschiebt sich der gesamte Zeitplan.
Einfuhrgenehmigung der ONSSA
Bei einer üblichen, nichtkommerziellen Reise, bei der der Hund von seiner Halterin oder seinem Halter begleitet wird, stützt sich die Einreise in erster Linie auf das Gesundheitszeugnis und die übrigen Unterlagen. Ob eine Einfuhrgenehmigung der ONSSA erforderlich ist, ist nicht für alle Szenarien einheitlich bestätigt – manche Quellen nennen sie immer als Voraussetzung, andere nur bei unbegleiteten Tieren oder kommerzieller Einfuhr.
Prüfen Sie daher vor der Reise den aktuellen Stand direkt bei der ONSSA oder der Veterinärbehörde des Abreiselandes. Wenn für Ihre Reise eine Genehmigung verlangt wird, wenden Sie sich an die regionale ONSSA-Dienststelle am vorgesehenen Einreiseort nach Marokko und rechnen Sie mit 5 bis 15 Arbeitstagen Bearbeitungszeit. Die ONSSA kommuniziert vor allem auf Französisch und Arabisch – eine E-Mail auf Französisch erhöht die Chancen auf Antwort.
Veterinärmedizinisches Gesundheitszeugnis
Das veterinärmedizinische Gesundheitszeugnis ist für Reisen nach Marokko Pflicht. Es wird von einer zugelassenen Tierärztin oder einem zugelassenen Tierarzt im Abreiseland ausgestellt und muss die Identifizierung des Hundes, Halterdaten, Impfnachweise, das Ergebnis des serologischen Tests und die Bestätigung des Gesundheitszustands enthalten.
Bei Reisen aus der EU klären Sie mit der Veterinärbehörde im Abreiseland, welches Formular für die Einreise nach Marokko verwendet wird und wer es bestätigen muss. Ein gewöhnlicher Impfpass oder allein der EU Pet Passport reicht nicht – das Zeugnis muss die marokkanischen Anforderungen erfüllen.
Parasitenbehandlung
Eine Behandlung gegen innere und äußere Parasiten ist für die Einreise nach Marokko nicht strikt vorgeschrieben, wird von der ONSSA jedoch nachdrücklich empfohlen. Sie muss von einer zugelassenen Tierärztin bzw. einem Tierarzt mit im Abreiseland zugelassenen Präparaten durchgeführt werden und kann direkt im Gesundheitszeugnis vermerkt werden.
Unabhängig von einer formalen Pflicht ist die Behandlung vor der Reise nach Marokko praktisch sinnvoll. Marokko ist ein Land mit Vorkommen von Zecken, Flöhen und anderen Parasiten, die Krankheiten übertragen können. In wärmeren und ländlichen Regionen gilt diese Empfehlung besonders.
Mit der Fähre oder dem Flugzeug anreisen
Bei der Anreise nach Marokko spielt der Beförderer eine große Rolle. Viele Reisende setzen mit der Fähre aus Spanien über, andere fliegen. In beiden Fällen sollten Sie die Regeln für Hunde vor dem Ticketkauf prüfen.
Der Beförderer kann eigene Bedingungen für die Beförderung von Hunden haben, zum Beispiel:
- ob der Hund in der Kabine, im Auto, in der Transportbox oder in einem anderen vorgesehenen Bereich reisen darf,
- welche Abmessungen oder welcher Typ der Transportbox zulässig sind,
- ob Unterlagen vorab eingereicht werden müssen,
- ob es Beschränkungen nach Größe oder Rasse gibt,
- ob der Hund während der Überfahrt oder des Fluges Zugang zur Halterin bzw. zum Halter hat.
Diese Regeln sind unabhängig von den staatlichen veterinärrechtlichen Anforderungen. Auch wenn die Papiere in Ordnung sind, kann der Beförderer die Beförderung ablehnen, wenn seine betrieblichen Bedingungen nicht erfüllt sind.
Rückkehr aus Marokko nach Hause
Bei der Rückkehr eines Hundes aus Marokko sind nicht die marokkanischen Vorschriften maßgeblich, sondern die des Ziellandes. Klären Sie deshalb vor der Reise, welche Unterlagen Ihr Hund für die Heimreise benötigt.
Das Rückkehrland kann zum Beispiel verlangen:
- gültige Tollwutimpfung,
- die Identifizierung des Hundes per Mikrochip,
- veterinärmedizinisches Gesundheitszeugnis,
- Einfuhrunterlagen,
- die Einreise über eine festgelegte Kontrollstelle,
- einen serologischen Test auf Tollwut-Antikörper, sofern ihn die Regeln des Rückkehrlandes verlangen.
Wenn Sie von Marokko aus mit Hund in ein weiteres Land weiterreisen, gelten die Regeln dieses Ziellandes. Beachten Sie außerdem, dass bei einem längeren Aufenthalt in Marokko die Gültigkeit des Einreisezertifikats ablaufen kann – bei der Ausreise aus Marokko wird voraussichtlich ein neues Ausreisezertifikat einer von der ONSSA zugelassenen Tierärztin bzw. eines Tierarztes benötigt.
Rückkehr mit Hund aus Marokko in die EU
Kehrt ein Hund aus Marokko in die EU zurück, handelt es sich um eine Einreise in die Union aus einem Nicht-EU-Land. Marokko steht nicht auf der Liste der Länder, bei denen die EU auf den serologischen Test auf Tollwut-Antikörper verzichtet.
Für die Rückkehr aus Marokko in die EU benötigt der Hund vor allem:
- Mikrochip,
- gültige Tollwutimpfung,
- serologischen Test auf Tollwut-Antikörper,
- EU Pet Passport oder das entsprechende veterinärmedizinische Gesundheitszeugnis für die Einreise in die EU,
- Erklärung über den nichtkommerziellen Charakter der Reise, wenn ein veterinärmedizinisches Gesundheitszeugnis verwendet wird,
- die Einreise über eine zugelassene Einreisestelle für Reisende mit Heimtieren.
Lebt der Hund gewöhnlich in der EU, reist nach Marokko und soll mit EU Pet Passport zurückkehren, erledigen Sie den Titer-Test am besten noch vor der Abreise aus der EU und lassen Sie das Ergebnis in den Pass eintragen. Bleibt die Tollwutimpfung anschließend ohne Unterbrechung gültig, erleichtert das die Rückkehr in die EU erheblich.
Fehlt der Test und der Hund befindet sich bereits in Marokko, kann die Rückkehr in die EU deutlich komplizierter werden. Der Test muss auf eine gültige Tollwutimpfung folgen, die Probe muss in einem zugelassenen Labor untersucht werden, und bei einem in Marokko durchgeführten Test darf der Hund frühestens drei Monate nach der Blutentnahme in die EU einreisen.
Praktische Regeln für den Aufenthalt mit Hund in Marokko
Marokko kann mit Hund spannend sein, aber nicht immer einfach. Der Umgang mit Hunden variiert je nach Region, Unterkunft, Umfeld und Person. In touristischen Gegenden ist das Reisen mit Hund oft unkomplizierter, dennoch sollte man den Zutritt zu Innenräumen von Restaurants, Geschäften oder Unterkünften nicht als selbstverständlich ansehen.
Marokko unterscheidet sich kulturell und religiös von weiten Teilen Europas. Manche Menschen sind Hunden gegenüber zurückhaltender – besonders in Innenräumen, beim Essen oder in traditionelleren Gemeinschaften. Das heißt nicht, dass Reisen mit Hund nicht möglich sind, aber Rücksichtnahme ist wichtig, und Sie sollten nicht die gleiche hundefreundliche Infrastruktur erwarten wie in manchen europäischen Ländern.
Unterkünfte sollten Sie immer direkt bestätigen lassen. Ein bloßer „pet friendly“-Filter im Buchungssystem genügt nicht. Klären Sie Größe des Hundes, eventuelle Gebühren, ob der Hund allein im Zimmer bleiben darf und die Regeln für Gemeinschaftsbereiche.
In Städten, auf Märkten und in alten Medinas ist es oft laut und voll: Menschenmengen, Motorroller, Katzen und streunende Tiere. Ein Hund, der Trubel schlecht verträgt, kann dort schnell gestresst sein. Planen Sie in solchen Fällen kürzere Runden, ruhigere Tageszeiten und meiden Sie das größte Gedränge.
In Marokko begegnen Sie streunenden Hunden und Katzen. Meist bleibt es problemlos, dennoch sollte Ihr Hund unter Kontrolle bleiben und nicht ungefragt auf fremde Tiere zulaufen. Sprechen Sie vor der Reise mit Ihrer Tierärztin bzw. Ihrem Tierarzt auch über Schutz vor Parasiten, Zecken, Flöhen und durch Insekten übertragene Krankheiten.
Wann mit der Vorbereitung beginnen
Die Vorbereitung einer Reise mit Hund nach Marokko dauert mindestens drei bis vier Monate, wenn für Ihre Route der serologische Test Pflicht ist. Das Vorgehen folgt einer festen Reihenfolge: Mikrochip, Impfung, Wartefrist, serologischer Test, Laboranalyse, Gesundheitszeugnis.
Praktisch vorbereiten sollten Sie insbesondere:
- Mikrochip (ISO 11784/11785),
- gültige Tollwutimpfung – der Hund muss vor der Impfung gechippt sein; bei der Erstimpfung mit einer Frist von mindestens 21 Tagen rechnen,
- serologischer Test – Blutentnahme frühestens 30 Tage nach der Impfung,
- Einfuhrgenehmigung der ONSSA – prüfen Sie, ob sie für Ihre Route erforderlich ist; wenn ja, rechtzeitig beantragen (30 Tage gültig),
- veterinärmedizinisches Gesundheitszeugnis,
- EU Pet Passport, wenn Sie aus der EU reisen,
- Regeln der Fährgesellschaft, Fluggesellschaft oder eines anderen Beförderers,
- Regeln für die Rückkehr nach Hause.
Wenn der Hund nach dem Aufenthalt in Marokko in die EU zurückkehrt, kümmern Sie sich rechtzeitig um den Titer-Test für die EU-Rückkehr. Am praktischsten ist es, ihn noch vor der Abreise aus der EU zu erledigen.
Fazit
Eine Reise mit Hund nach Marokko ist möglich, administrativ aber aufwendiger als in den meisten europäischen Zielen. Der Hund braucht einen Mikrochip, eine gültige Tollwutimpfung, einen serologischen Test und ein veterinärmedizinisches Gesundheitszeugnis. Ob für Ihre konkrete Route zusätzlich eine Einfuhrgenehmigung der ONSSA erforderlich ist, sollten Sie vor der Reise klären.
Entscheidend ist, früh zu beginnen – mindestens drei bis vier Monate vor Abreise. Für die Rückkehr in die EU ist der Titer-Test zentral; am besten erledigen Sie ihn noch vor der Abreise aus der EU.
Denken Sie neben den Unterlagen auch an die praktische Seite der Reise: Regeln der Fähre oder Fluggesellschaft, Unterkünfte, den örtlichen Umgang mit Hunden, streunende Tiere und den Schutz vor Parasiten.
